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Hamburg Web > Magazin-Archiv > Kunst & Kultur > Spielbudenplatz

Ein Paillettenkleid für die Reeperbahn

erschienen am 02.07.2004 - Keine Kommentare
Tags: Spielbudenplatz Reeperbahn


Hamburgs größter Gestaltungswettbewerb aller Zeiten ist entschieden! In den vergangenen 2 Tagen hatte das Preisgericht im internationalen, architektonischen, landschaftsplanerischen und künstlerischen Realisierungswettbewerb zur Neugestaltung des Spielbudenplatzes unter 326 Arbeiten eine nicht leichte Entscheidung zu treffen. Sieger ist die Arbeitsgemeinschaft von Uwe Mumm (Architekt, Bergenhusen) und Sven Fuchs (Künstler, Braunschweig).

Der Entwurf lässt viel Raum für Nutzungen aller Art. Besonderes Gestaltungselement ist die mit einem elektronischen LED - Display - Spiel versehene Edelstahloberfläche.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Darmstädter Architekten Prof. Johann Eisele vergab 5 Preise und 4 Ankäufe mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 80.000 Euro.

Den 1. Preis gewann eine Arbeitsgemeinschaft aus Uwe Mumm (Architekt, Bergenhusen) und Sven Fuchs (Künstler, Braunschweig). Die Jury war mehrheitlich der Meinung, dass dieser Entwurf dem Platz durch die Gestaltung mit einem so ungewöhnlichen Bodenbelag eine ganz eigenständige, künstlerische Identität gibt.

Dazu das Jury - Protokoll: "Die Entwurfsverfasser machen die vorhandene klare Geometrie des Platzes zur Grundlage ihrer Gestaltung, da sie die Flexibilität der Nutzungen als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ansehen. Eine wertvolle Edelstahloberfläche, die bei Tag und auch bei Dunkelheit interessant anmutet, bildet den Schwerpunkt der Gestaltung.

Die Köpfe des Platzes sind unterschiedlich ausgebildet und durch ihre zurückgesetzte Position, Flächen bildend für weitere Gestaltungsmöglichkeiten. Das westliche Ende hebt sich um etwa 4 Meter über den Platz, als Terrasse eines darunter liegenden Restaurants, und bildet eine attraktive Aussichtsplattform. Die terrassierte Fläche, geneigt zum Spielbudenplatz hin, könnte ein kommunikativer Schwerpunkt bei Veranstaltungen werden.

Die interessante Lichtidee, als Paillettenkleid bezeichnet, ist kombiniert mit einem elektronischen LED-Display-Spiel, das eine Attraktion für die Besucher sein wird. Über dieses interaktive Spiel könnte der Platz eine besondere Anziehungskraft auch weit über Hamburg hinaus entwickeln."

St. Pauli ist zweifellos der von Touristen und Hamburgern gleichermaßen meistbesuchte Stadtteil in Hamburg. Dieser Stadtteil ist durch Vergnügungsstätten, Kultureinrichtungen, Tourismus und Wohnen geprägt. Das Rotlichtviertel auf dem "Kiez" und hier vor allem die Reeperbahn sorgen für seine internationale Bekanntheit. Besucher aus aller Welt wandeln in Nostalgie auf den Spuren des alten St. Pauli, der Zeit als Hans Albers seine Liebe zu diesem unnachahmlichen, lebendigen Viertel besang und als die Beatles ihre atemberaubende Karriere genau an diesem Ort starteten.

Dies berühmte alte Rotlichtmilieu hat sich in den letzten Jahren jedoch merklich verändert. St. Pauli ist zwar immer noch ein Paradies für Nachteulen, aber neben den angestammten Läden und Lokalen des Erotikgewerbes nehmen kulturelle Einrichtungen wie Musik- und Unterhaltungstheater einen zunehmend größeren Stellenwert ein. Diskotheken, Clubs und Bars ergänzen das nächtliche Angebot für breite Bevölkerungsschichten. Es ziehen zunehmend junge Leute der so genannten "Kreativ Szene" in den Stadtteil, um von der Atmosphäre zu profitieren.

Im Herzen von St. Pauli, am Eingang der Reeperbahn, befindet sich der Spielbudenplatz, der von jeher ein Ort der Identifikation und der Orientierung im Stadtteil war. Heute befindet sich der Spielbudenplatz allerdings in einem gestalterisch beklagenswerten Zustand, weshalb in den vergangenen Jahren diverse Vorschläge zur Um- bzw. Neugestaltung des Platzraumes gemacht wurden. Eine Gesamtkonzeption mit allgemeiner Akzeptanz konnte bisher jedoch nicht gefunden werden. Die Stadt Hamburg hat nun diesen Realisierungswettbewerb ausgelobt, um Entwurfsvorschläge für eine Umgestaltung zu erhalten, die dem Charakter des Ortes entsprechen, den Platz aufwerten und beleben. Er richtete sich an Architekten, Landschaftsarchitekten und Künstler. Die Teilnehmer waren aufgefordert als Arbeitsgemeinschaften aus mindestens zwei der vorgenannten Fachbereiche interdisziplinär zusammen zu arbeiten, um ein überzeugendes Gesamtkonzept zu entwickeln.

Der Spielbudenplatz soll seiner Rolle als prominenter öffentlicher Ort wieder gerecht werden können. Als multifunktionale Veranstaltungsfläche, als Ort überregionaler Events sowie als zentraler Treffpunkt innerhalb des bunten Stadtteils soll er zukünftig den prägenden Auftakt zur Reeperbahn darstellen und durch seine Neugestaltung zum Markenzeichen Hamburgs und St. Paulis sowie zur internationalen Visitenkarte der Stadt avancieren.

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