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Hamburg Web > Magazin > Wirtschaft > Insolvenz Springer Jacoby

Springer & Jacoby: Die Mutter aller Werbeagenturen ist nach langer Krankheit sanft entschlafen

erschienen am 13.04.2010 - Keine Kommentare
Tags: Werbung Insolvenz Werbeagentur

Logo von Springer & Jacoby
Logo von Springer & Jacoby

Was den Paris-Touristen der Eiffelturm ist, war für Werbetreibende bislang die Agentur Springer & Jacoby: ein ganz klarer Fix-und Orientierungspunkt inmitten eines wuseligen Durcheinanders. Die Ära der einstigen Superstars der Werbebranche, die so ziemlich jeden wichtigen Preis für Werber einheimsten und als Talentpool galten, aus dem eine ganze Reihe von Kreativen hervorgegangen ist, die nun entweder selbst kreative Agenturen leiten oder in Top-Positionen von bekannten deutschen Großunternehmen tätig sind, endete in der vergangenen Woche jäh mit dem Insolvenzantrag durch den letzten Eigentümer Lutz Schaffhausen.

Gleichwohl sich der Niedergang bereits vor dem Verlust des Großkunden Mercedes, der rund ein Drittel des Springer & Jacoby-Umsatzes ausmachte, abzeichnete, war diese letzte Zuckung der werbenden Grande Dame dennoch ein Paukenschlag, der die Branche aufrüttelt. Längst hatten ehemalige Springer & Jacoby-Leute wie Holger Jung und Remy von Matt mit ihrer eigenen Agentur der einstigen Kaderschmiede den Rang abgelaufen, auch andere ehemaligen „Springer“ - kempertrautmann, Aimaq & Stolle – agieren mit eigenen Agenturen erfolgreich am Markt.Als im Jahr 2006 Lutz Schaffhausen, Inhaber von Schaffhausen Communication, Springer & Jacoby übernahm, waren außer Mercedes bereits andere wichtige Kunden abgesprungen, die Verschuldung der Agentur war nicht mehr zu übersehen.

Im Jahr 2009 hatten Springer & Jacoby noch ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert, nun wurde den letzten 30 Mitarbeitern gekündigt. Der Aufstieg begann vor allem in den achtziger Jahren und war eng mit der Marke Mercedes verknüpft. Zu Spitzenzeiten beschäftigten Springer & Jacoby mehrere Hundert Mitarbeiter. Ob der Niedergang, der in etwa einsetzte, als sich die Firmengründer aus dem Firmengeschäft zurückzogen, zu stoppen gewesen wäre, ist, vor allem im Hinblick auf Langfristigkeit, mit der sich das Unternehmen in die Krise navigierte, durchaus fragwürdig. Fakt ist, dass mit der Insolvenz eine knapp über drei Jahrzehnte währende Ära zu Ende gegangen ist. Bereits 1987 setzt Springer & Jacoby rund 100 Millionen Mark um, 1989 gewann die Agentur dann den Etat der Mercedes Benz AG.

Als im November 1990 die Springer & Jacoby-Geschäftsführer Holger Jung und Jean Remy von Matt den Kunden Sixt mitnahmen, um eine eigene Agentur zu gründen, wurde der Grundstein für den Aufbau eines der zukünftig ärgsten Konkurrenten gelegt. 1993 setzte S&J 400 Millionen Mark um, im Jahr 1994 stieg das betreute Werbevolumens auf 512 Millionen DM, der Honorarumsatz auf 77 Millionen DM.
Die Agentur wechselte in den Folgejahren mehrfach die Besitzer und änderte die Struktur grundlegend, gleichzeitig konkurrierte Springer & Jacoby vor allem mit Jung von Matt zunehmend um Etats und Preise. In etwas mehr als 30 Jahren vollzog sich ein unvergleichlicher Aufstieg, der seinen Höhepunkt im Spitzenjahr 2000 erreichte, als Springer & Jacoby mehr als 800 Millionen DM umsetzten und etwa 350 Mitarbeiter beschäftigten, und ein ebenso spektakulärer Niedergang, der nun zum letzten Gang des letzten Eigentümers Lutz Schaffhausen vor das Hamburger Amtsgericht führte.

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